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Lust am Spiel mit der Erotik

Der Winnender Illustrator juro alias Jürgen Reinfelder möchte mit seinen Bildern auch ein bisschen provozieren

Von einem Künstler, bei dem es um dominante Frauen, Lack und Erotik geht, hat man ein klares Bild im Kopf. Wild, ein bisschen verrucht. Doch Jürgen Reinfelder lebt bürgerlicher, als man denkt. Der Illustrator sieht seine Arbeit pragmatisch: "Meine Motive passen zur Technik."

Wie bei Rubens sehen die Frauen bei Jürgen Reinfelder nicht aus. Von provokant bis lasziv blicken sie dem Betrachter in die Augen. In Latex verpackt, zeigen sie viel Haut und schwingen auch mal die Lederpeitsche oder sind gefesselt. Versteckt wird nichts. Man sieht das, was der Künstler aufs Bild gebracht hat. Die Konturen sind klar und direkt. „Mit Sadomaso hat das nichts zu tun", betont der gelernte Farblithograf. „Mich fasziniert das weibliche Geschöpf. Ich bin schließlich ein Mann. Und mir gefällt die direkte Art der Darstellung. Das ist sehr erotisch."

Die Wertschätzung der Frau

Seit seinem 17. Lebensjahr gehören erotische Bilder zum Zeichenrepertoire Reinfelders. In den 1980ern noch punktiert, schraffiert oder mit Pinsel und Tusche. In dieser Zeit kam auch sein erster Kalender auf den Markt. Es folgte 1988 der zweite. Die Bilder wurden erotischer, eindeutiger. „Der Aufwand damals war enorm." Bis zu 200 Stunden saß Reinfelder an einem Motiv. „Im Zeitalter von Vektorgrafiken, InDesign und Illustrator geht das jetzt natürlich etwas schneller." Trotzdem benötigt der 56-Jährige zwischen 30, und 80 Stunden für ein Bild.
Ein zeitaufwendiges Hobby. Denn Jürgen Reinfelder hat eigentlich einen ganz normalen Beruf, Frau und Kinder. In der Wohnung findet man neben ein paar Bildern aus seinen früheren Tagen auch ein typisches Landschaftsbild aus Großvaters Zeiten. Einzig das überdimensionale Poster hinterm Esstisch mit einer tätowierten Frau im Lackbody lässt erahnen, welche Stilrichtung Reinfelders Bilder haben.
Sein 14. Kalender für das nächste Jahr liegt druckfrisch vor ihm. Die Technik hat sich verändert, Reinfelders Motive sind geblieben. Modifiziert hat sich die Art der Darstellung. Die Augen stehen im Mittelpunkt, die Nase ist nur als Hauch wahrnehmbar, der Hintergrund meist vollflächig. Auch die Körperlichkeit hat sich auf Reinfelders Bildern gewandelt. „Natürlich befasse ich mich damit, was Frauen heutzutage mit ihrem Körper machen. Ob Tätowierungen oder der Intimbereich - ich recherchiere und lese viel darüber." Auch müsse auf seinen Bildern nicht immer alles symmetrisch sein, wie der Apriltitel zeigt. Realistisch soll es rüberkommen und zeigen, es könnte solche Frauen tatsächlich geben."
Seine Motive sind bis zur Fertigstellung geheim. Nicht mal seine Frau darf im Vorfeld einen Blick darauf werfen. „Ich bin Perfektionist. Meine Arbeiten sollen keinen Einfluss von außen haben." Als Fantasie möchte Reinfelder, dessen Vorbild Helmut Newton ist, seine Kunst nicht bezeichnen.

Die Grafikleidenschaft bleibt Hobby

„Landschaftsbilder oder Stadtansichten interessieren mich nun mal nicht. Ich will zum Nachdenken anregen und provozieren, denn die Hürden in den Köpfen sind auch heute noch spürbar. Irgendwann möchte Reinfelder seine Kunst in einer Ausstellung zeigen. Obwohl er für den einen oder anderen Verlag oder Künstler schon mal ein Bild geliefert hat, bleibt seine Grafikleidenschaft bis heute nur ein Hobby. „Es ist schön, wenn man Beachtung findet. Ich möchte natürlich Erfolg mit meinen Arbeiten haben. Aber ohne Zeitdruck oder Zwang bei der Vorgabe des Motives."
Auch wenn der künstlerische Wert seiner Arbeiten von den Leuten oft nicht gesehen werde, fülle Jürgen Reinfelder sein Hobby total aus. „Das ist genau mein Ding und mit dieser Technik kann ich das auch bis ins hohe Alter machen. Ich finde das sehr beruhigend."

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