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Juro · Jürgen Reinfelder

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Schraffiertechnik von Jürgen Reinfelder

Biografie

Am Anfang stand die Linie. Bereits im Kindergarten entdeckte ich meine Faszination für Konturen – für jene klaren Grenzen, die einer Form ihre Identität verleihen. Aus dieser frühen Begeisterung entwickelte sich eine künstlerische Haltung, die mein Schaffen bis heute bestimmt.

1957 wurde ich in Mühlbruck als erster Sohn eines Müllers geboren. Nach meiner Ausbildung zum Farbenlithografen blieb das Zeichnen – trotz beruflicher und persönlicher Veränderungen – stets der konstante Mittelpunkt meines Lebens. Über Jahrzehnte entwickelte ich meine Ausdrucksweise kontinuierlich weiter: von klassischen Zeichentechniken wie Punktierung, Schraffur sowie Pinsel und Tusche bis hin zu einer Bildsprache, die sich zunehmend auf das Wesentliche konzentriert.

Seit meinem 17. Lebensjahr setze ich mich mit der erotischen Zeichnung auseinander. Dabei interessiert mich nicht die Provokation, sondern die Ästhetik des menschlichen Körpers und die Kraft seiner Konturen. Aus ersten Veröffentlichungen in Kalendern entwickelte sich ab 1991 eine Zusammenarbeit mit einem Verlag in Stuttgart. In den folgenden Jahren erschienen über 170 meiner Zeichnungen in Zeitschriften und Büchern.

Von 1991 bis 2010 war ich Geschäftsführer unserer Druckerei. Die intensive Beschäftigung mit Druck, Reproduktion und grafischer Präzision prägte zugleich meinen Blick als Künstler.

Zwischen 2001 und 2003 suchte ich nach einer Form des Arbeitens, die meinen künstlerischen Vorstellungen vollständig entsprach. Ich fand sie im digitalen Medium. Es eröffnet mir die Möglichkeit, Linien mit einer Präzision und Klarheit umzusetzen, die mit traditionellen Techniken nur eingeschränkt erreichbar ist.

Für ein einziges Bild investiere ich oft bis zu 60 Stunden. Ein solcher Zeitaufwand erscheint heute beinahe außergewöhnlich. Wir leben in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz Bilder innerhalb weniger Sekunden erzeugen kann. Das ist eine technische Entwicklung, die ihren Platz hat. Doch sie ersetzt nicht den persönlichen Weg, das langsame Entstehen und die unzähligen Entscheidungen, die jede Zeichnung prägen.

Für mich ist jede Arbeit ein Prozess, der Konzentration, Geduld und Hingabe verlangt. Jede Stunde, die ich an einem Bild arbeite, wird Teil des Werkes – und zugleich ein Teil von mir. Gerade darin liegt bis heute die Erfüllung, die mich seit meiner Jugend begleitet und mein Leben nachhaltig geprägt hat.

Meine Arbeiten verzichten bewusst auf malerische Effekte. Die Kontur ist ihr zentrales Gestaltungselement – präzise, eindeutig und kompromisslos. Sie definiert Form, Raum und Ausdruck. Was sichtbar ist, bedarf keiner Erklärung. Der Betrachter sieht, was er sieht – und genau darin liegt für mich die Stärke der Zeichnung.

Im Jahr 2021 entdeckte ich die Fineliner-Stifte von verschiedenen Herstellern für mich neu. Mit ihnen kehrte die Begeisterung für das klassische Zeichnen zurück, die mich schon in jungen Jahren begleitet hatte. Seitdem entstehen meine Arbeiten wieder von Hand – Linie für Linie, mit derselben Hingabe und Geduld, die mein künstlerisches Schaffen seit jeher prägen.

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